Der sogenannte Blower-Door-Test ist ein bauphysikalisches Messverfahren, um die Luftdichtheit eines Gebäudes messen und quantifizieren zu können. Die Luftdichtheit ist ein Maß für den qualitativen Zustand eines Gebäudes, denn ein starker Luftaustausch zwischen dem Innenraum und der Außenluft zieht neben den unerwünschten Zuglufterscheinungen immer einen erhöhten Wärmeaustausch nach sich, der über eine höhere Leistung der Heizungs- oder Kühlungstechnik kompensiert werden muss. Da das relevante Energieverluste sein können, fordert der §13 des GEG bei Neubauten eine Luftundurchlässigkeit der wärmeübertragenen Umfassungsfläche nach den anerkannten Regeln der Technik, wobei ein hygienischer Mindestluftwechsel zur Vermeidung von Geruchsproblemen, Staub-, Mikroorganismen- sowie Radonbelastung notwendig ist. Das Maß wonach die Luftdichtheit eines Gebäudes bewertet wird, ist die Luftwechselrate n50. Sie sagt aus, wie viel Luft bezogen auf das Luftvolumen des untersuchten Raumes / Gebäudes pro Stunde ausgetauscht wird, wenn eine Luftdruckdifferenz zwischen Innen und Außen von 50 Pascal herrscht. Die aufzubringende Druckdifferenz zwischen Innen und Außen wird mithilfe eines Ventilators realisiert, der in eine Hauseingangs-, Terassentür oder ein Fenster eingebaut wird. Der Blower-Door-Test wird in der Norm daher auch als Differenzdruckverfahren benannt. Ein kleiner Wert bedeutet hierbei, einfach erklärt, dass weniger Luft ausgetauscht wird und damit das Gebäude luftdichter ist, ein großer Wert wiederum bedeutet das Gegenteil. Der Paragraf 26 legt für die Prüfung bei Neubauten auch konkrete Grenzwerte für die Luftwechselrate fest. Die DIN V 18599-2 behält für ungeprüfte Gebäude Standardwerte vor. Eine Pflicht zum Nachrüsten einer luftdichten Ebene in Bestandsgebäuden gibt es nicht, allerdings kann bei der Bilanzierung des Bestandsgebäudes die Luftdichtheit einen Einfluss auf den spezifischen auf die wärmeübertragene Umfassungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlust (H‘T) haben, denn sie geht als QV,inf (ungewollte Lüftung durch Infiltration) als eine von vier Ursachen in die Wärme- und Kälteeinträge ein.
Abgesehen von der Luftwechselrate können mithilfe des Blower-Door-Tests Schwachstellen (Leckagen) in der luftdichten Ebene lokalisiert werden. Dazu wird nach Herstellen eines Über- und Unterdrucks von 50 Pa der Luftstrom an den Außenbauteilen mit den Händen erfühlt, mit Rauch sichtbar gemacht und/oder mithilfe eines Anemometers gemessen. Die Thermografie kann den Blower-Door-Test ideal ergänzen, da die durch die Leckagestellen eindringende Außenluft die Bauteile schneller abkühlt. So können vorher unauffällige Bereiche in den Wärmebildern plötzlich aufgrund der einziehenden kalten Luft „blaue Flecken“ zeigen, die auf Luftundichtigkeiten hindeuten.

